Aufmerksamkeitsstörungen

ADHS – ADS

Eine Aufmerksamkeitsstörung mit der Begleiterscheinung motorischer Unruhe (ADHS) wird inzwischen zunehmend als komplexe Entwicklungsverzögerung beim Erlernen des Selbstmanagements und der Selbststeuerung verstanden.

Symptome

Charakteristisch für ADHS sind folgende drei Hauptsymptome:

• Hyperaktivität (übersteigerter Bewegungsdrang)
• Unaufmerksamkeit (dauerhaft beeinträchtigte Konzentrationsfähigkeit)
• Impulsivität (unüberlegtes Handeln)

Die einzelnen Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und müssen nicht immer alle gleichzeitig auftreten. Es gibt auch die Ausprägung, bei der keine hyperaktiven Verhaltensweisen beobachtet werden, allerdings ausgeprägte Aufmerksamkeitsstörungen (ADS). Außerdem zeigt die Symptomatik nicht selten einen fließenden Übergang zur Normalität. Eine ADHS-Diagnose erfordert daher eine fachkompetente Diagnostik. Erst wenn die genannten Hauptsymptome zu erkennbarem Leiden führen, erst wenn sie – beginnend im Kindesalter – dauerhaft auftreten und das Zusammenleben mit anderen Menschen, die Lebensführung sowie das Lernen übermäßig stark beeinträchtigen, wird von einer attestierten ADHS/ADS-Symptomatik gesprochen.

Ursachen

Forschungen zur Ursachenaufklärung und zu Therapiemöglichkeiten existieren seit Jahrzehnten. In der Medizin wird diese Auffälligkeit als Krankheit definiert, deren Ursachen in Gehirnfunktionen und deren Störung verortet werden. Die Entwicklungspsychologie und die Pädagogischen Psychologie zeigt dagegen auf, dass Fertigkeiten, die Aufmerksamkeit und sich selbst in der Lebensführung und beim Lernen zu steuern, kulturell erworbene Fertigkeiten sind, die in unterschiedlichen Kulturen ein unterschiedliches Erscheinungsbild haben. Es wird von komplexen Zusammenhängen zwischen Gehirnprozessen, Umwelteinflüssen und erlerntem Selbstmanagement ausgegangen.

Diagnose

Die Diagnose kann nicht direkt erfolgen, da es keinen speziellen ADHS-Test gibt. Deshalb stützt sie sich auf Informationen aus unterschiedlichen Quellen, auf eine Anamnese, eine Befragung des betroffenen Kindes, der Eltern bzw. Erzieher und Lehrkräfte, eine neurologische Untersuchung sowie eine Verhaltensbeobachtung. Reine Konzentrationstests (wie etwa der d-2-Test von Brickenkamp oder der BP-Konzentrationstest nach Esser) reichen allein nicht aus, um eine Aussage über die alltägliche Konzentrationsfähigkeit eines Kindes im Alltag zu treffen. Erforderlich ist ebenfalls eine gründliche psychologische Testdiagnostik.

Therapie

Ziel der Therapie ist es, das individuell unterschiedlich vorhandene Potenzial auszuschöpfen, die sozialen Fähigkeiten auszubauen und eventuelle Begleitstörungen zu behandeln. Die Behandlung sollte multimodal erfolgen, das heißt, es sollten parallel mehrere Behandlungsschritte durchgeführt werden (z. B. Psychotherapie, psychosoziale Interventionen, Coaching, Pharmakotherapie). Bei der Entwicklung des Lernens wird der Schwerpunkt auf das Erlernen der Selbststeuerung beim Lernhandeln sowie auf psychosoziale Interventionen gelegt. Im Zentrum steht die Unterstützung bei der Entwicklung der Selbstermutigung, sich selbst beim Lernen an die Hand zu nehmen.