Kindern mit Dyskalkulie fällt es oft schwer, ein Verständnis für Mengen und Zahlbeziehungen zu entwickeln.
Dyskalkulie ist international als Krankheit anerkannt. Die Definition einer Rechenstörung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) lautet folgendermaßen: „Diese Störung bezeichnet eine Beeinträchtigung der Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist.“ Umgangssprachlich werden die Begriffe Rechenstörung, Rechenschwäche und Dyskalkulie oft synonym verwendet.
Symptome
Folgende Symptome können Anzeichen für eine Dyskalkulie sein:
• Schwierigkeiten beim Zuordnen von Mengen und Maßen, wie Zeit, Längen (was ist mehr oder weniger, größer oder kleiner….)
• Probleme beim Schreiben von Zahlen
• Übermäßig lange werden die Finger zum Abzählen genutzt
• Der Unterschied zwischen dem Stellenwertsystem (Zehner-Übergang) und dem Abzählen bzw. Benennen von Mengen wird nicht verstanden
Welche konkreten Ursachen es dafür gibt, ist von der Wissenschaft noch kaum geklärt. Unerkannt kann Dyskalkulie auf Dauer zu einer immer größeren Belastung werden: Viele Kinder entwickeln Angst vor dem Erlernen des mathematischen Denkens. Sie bilden Vermeidungsstrategien aus, die Freude am Lernen sinkt. Verhaltensauffälligkeiten können in der Folge ebenfalls Symptome sein.
Diagnose
Ob jemand einfach nur nicht so schnell rechnet oder ob tatsächlich eine Dyskalkulie vorliegt, ist nicht leicht zu erkennen. Eine im März 2018 vorgestellte medizinische Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie soll es Ärzten, Therapeuten und Lehrkräften erleichtern, frühzeitig eine Diagnose zu stellen. Die neue Leitlinie zur Rechenstörung trägt den Zusatz „S3“.
Es gibt standardisierte Rechentests, die schon ab Klasse 1 durchgeführt werden können. Hinweise zu Abweichungen vom Durchschnitt in der jeweiligen Altersgruppe gibt es in der Leitinline.
Zusammen mit den Eltern sollten Lehrkräfte im Zweifelsfall eine vollständige Diagnostik einholen – etwa in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie oder einem sozialpädagogischen Zentrum. Die umfassende Diagnose ist unter anderem wichtig, um mögliche andere Ursachen für die geringen Mathematikleistungen auszuschließen.
Therapie
Bei einer diagnostizierten Dyskalkulie wird neben den Fördermaßnahmen in der Schule eine zusätzliche Therapie empfohlen. Im Zentrum steht die Erarbeitung eines Verständnisses für eine Menge, für Zahlen und für deren Beziehungen. Wichtig ist der Einsatz evidenzbasierter Förderansätze bei Rechenschwäche und Erfahrungen auf diesem Gebiet. ‘Heilen‘ kann man eine Dyskalkulie nicht. Heranwachsende können aber Kompensationsstrategien aneignen und ihre persönlichen Lernwege entdecken und festigen.
Nachteilsausgleich
In der Schule kann ein Nachteilsausgleich – ähnlich wie bei einer Lese-Rechtschreib-Schwäche – den Druck für die Kinder verringern. Die Regelungen dafür unterscheiden sich allerdings in den Bundesländern erheblich.